
Fimming (HST) für Cannabispflanzen
Andreas LeschkeBlogbeitrag Teilen
Wie aus Stümperei eine High-Stress-Trainingsmethode wurde
In diesem Beitrag durchleuchten wir eine Schnitt-Technik bei Pflanzen, wo nicht nur das explosive Ergebnis spannend ist, sondern vor allem auch die Geschichte, die sich hinter dieser HST-Methode verbirgt!
Bevor interessierte Grower*innen nun diesen Beitrag weiter lesen, weise ich darauf hin, dass das "Fimming" eine Weiterentwicklung des "Topping" ist.
Aus diesem Grunde wäre es ratsam, vor diesem Beitrag erst einmal den Blog-Beitrag "Topping" zu lesen, um diesen Beitrag besser nachvollziehen zu können.
Die Geschichte des "Fimming" entstand in den späten 90er Jahren, wo ein amerikanischer Cannabis-Züchter, der als sehr ehrgeizig, aber auch unvorsichtig galt, seine Pflanzen toppen wollte und nach dem Topping feststellen musste, dass er sich verschnitten hatte.
Der Begriff des Fimmings leitet sich von "FIM" ab, wo die Bedeutung "F*ck I missed" sich dahinter verbirgt. Es war kein gezieltes Experiment, was uns diese magische und wundervolle Schnitttechnik offenbarte, sondern pure Stümperei!!
Denn, nachdem der amerikanische Grinsegras Züchter mit Entsetzen feststellen musste, dass er sich arg verschnitten hat, beschloss er, anstatt die Pflanzen zu beseitigen und das Projekt abzubrechen, sie einfach stehen zu lassen, um zu schauen, was passieren wird.
Wenige Tage darauf sah er sich die Pflanzen dann erneut an und konnte kaum seinen Augen trauen. Denn die Pflanze hatte sich nicht nur erholt und gedieh prächtig, sondern die Schnittstelle offenbarte plötzlich ein Gewirr von neuen Zweigen, die sich als extrem produktiv erwiesen. Das Resultat was folgte, war dass dieser Grower damit seine extremste und ertragreichste Ernte, seine bisherigen Lebens, einholen konnte.
Die Umsetzung und Durchführung von "Fimming"
Wie bereits im Vorwort erwähnt, ist das "Fimming" als Weiterentwicklung des "Topping" zu verstehen und daher gelten hier auch die selben Grundvoraussetzungen. Ein sauberes Arbeiten mit Handschuhen und desinfizierter Schere ist ein absolutes Muss, da man bei dieser Technik der Pflanze eine große Wunde zufügt, wo sichergestellt sein sollte, dass keinerlei Keime, Bakterien oder Erreger ins Wundgewebe eintreten können.
Auch die anderen Basics des Toppings sind zu beachten, wie z.B. eine garantierte Nährstoffversorgung, keinen Schädlingsbefall usw.
Daher ist es wirklich ratsam, den Beitrag des Toppings noch einmal zu lesen, ehe man sich dieser Technik annimmt und sie umsetzt.
Der einzige Unterschied zum Topping besteht beim Fimming lediglich in der Tatsache, dass man nicht, wie beim Topping, zwischen zweit Knotenpunkten den Pflanzenkopf abschneidet, sondern direkt durch einen Knotenpunkt hindurch.
Hierbei sollte man den Trieb (Knotenpunkt) den man beseitigen möchte zwischen Zeigefinger und Daum nehmen und festhalten. Die Blätter bitte NICHT abnehmen, sie sind existentiell wichtig, damit diese High-Stress Methode zum Erfolg führt.
Der nächste Schritt ist ein horizontaler, gerader Schnitt durch den Knotenpunkt, wo ca. 75% des Triebs beseitigt wird, so dass ca. 25% des Triebs noch am Kopf der Pflanze übrigbleibt.
Beim Topping erreichen wir, dass die beiden Triebe unter der Schnittstelle zu neuen Hauptstängeln heranwachsen und uns anstelle von einem Headbud, zwei Kopfblüten liefern. Auf diese Art wird durch das Topping der vegetative Bereich am Hauptstamm beendet, um es in die Seitentriebe zu lenken. Somit erleidet die Pflanze keinen Stillstand in der vegetativen Phase und genau hier besteht der große Unterschied zum Fimming.
Denn beim Fimming geht es vorrangig darum, die vegetative Phase für 5 bis 7 Tage zu verlangsamen. Auf diese Art wird die Pflanze genötigt, ihre kompletten Ressourcen und Energie auf alle Seitenzweige in der Erholungsphase zu lenken und entwickelt sich weit buschiger als durch das "Topping".
Nachdem die Pflanze sich nach 5 bis 7 Tagen erholt hat, wird man an der Schnittstelle erkennen, wie zwei neue Zweige aus dieser herauswachsen.
Ergebnisse zeigen, dass durch das Fimmen der Pflanze weit mehr neue Seitentriebe entstehen, als durch einfaches "Topping", da obere Triebe langsamer wachsen, als die Seitentriebe.
Zudem werden die Seitenäste um einiges robuster und bilden mehr Blütenstände, als beim Topping.
Das "Fimming" ist ebenso wie das "Topping" keine Maßnahme die man an einer Pflanze nur einmal durchführen darf. Wer seine Pflanze bis zum Äußeren treiben möchte, kann diese ebenso wie beim Topping während der vegetativen Phase mehrmals "fimmen".
Es sollte jedoch immer sichergestellt werden, dass die Pflanze nach dem Fimmen sich ausreichend erholen kann, da dies eine enorme Kraftanstrengung für sie darstellt.
Das Wachstum in die Höhe ist beim Fimming geringer als beim Topping, jedoch ist das Wachstum in die Breite um einiges höher. Daher sollte auch bei solchen ertragssteigernden Trainingsmethoden immer der zur Verfügung stehende Platz in der Growbox beachtet werden.
Wer seine Pflanze fimmt, braucht mehr Platz in der Breite im Growzelt, als beim Topping und das sollte bitte nicht unterschätzt werden. Ebenso ist es, wie auch beim Topping ratsam, die Pflanze anschließend mit LST-Klammern zu trainieren, damit die neuen Äste ins Licht gelenkt werden.
Wie man seine Pflanzen mit Lowstress trainiert, habe ich bereits in einem vorangegangenen Blogbeitrag erwähnt, denn man bitte als Ergänzung zum Fimming sehen sollte, ebenso wie der Blog-Beitrag zum Thema "Lollipopping".
Wir bedanken uns bei dem Autor Jorge Rieger für diesen Blogbeitrag zum Thema "Fimming (HST) für Cannabispflanzen". Folgt ihm gerne auf seinem Facebook Account. -->Hier klicken